Entgiftung des Pferdestoffwechsels

Nicht nur bei Menschen, sondern auch bei Pferden liegt das Thema Entgiftung im Trend. Pferdebesitzer*innen wollen ihren Tieren etwas Gutes tun, und auch die Futtermittelindustrie ist bereits auf diesen lukrativen Zug aufgesprungen. Da man zahlreiche Produkte kaufen kann, die vermeintlich das Pferd entgiften, möchte ich hier nun meine Gedanken ordnen, und diesem Thema einen eigenen Blogeintrag widmen.

Welches Gift befindet sich im Pferd?

Pferde können verschiedene giftige Substanzen aufnehmen. Dazu zählen Schimmelpilze, Giftpflanzen, pharmazeutische Mittel oder Umweltgifte wie Spritzmittel. Diese können nicht nur über das Futter, sondern auch über die Atmung oder die Haut in den Organismus gelangen. Der Körper selbst kann ebenfalls giftige Toxine bilden, ohne dass diese von außen zugeführt werden.

Entgiftung beim gesunden Pferd

Ein gesundes Pferd kann diese Stoffe ohne Probleme über die Leber abbauen und über die Nieren (Urin) oder den Darm (Kot) ausscheiden. Es kann allerdings passieren, dass so viel Gift aufgenommen wird, dass der Körper alleine nicht mehr damit zurecht kommt. Auch können die beteiligten Organe so eingeschränkt sein, dass sie ihrer Aufgabe nicht mehr ausreichend nachkommen können.

Wie entgiftet die Leber?

Die Leber ist das wichtigste Entgiftungsorgan. Sie erhält einerseits das angereicherte Blut aus dem Darm. Dieses beinhaltet die Nährstoffe aus dem Futter. Andererseits erhält sie Sauerstoff aus dem Herz-Lungen-Kreislauf. Schädliche Substanzen werden in 2 Phasen abgebaut:

Phase 1

Zuerst werden fettlösliche Stoffe wasserlöslich gemacht, da sie sonst nicht mit dem Harn ausgeschieden werden könnten. Dazu werden sie chemisch umgewandelt. Es entsteht ein "Zwischenprodukt", das allerdings oft toxischer ist als die ursprüngliche Substanz, da sich freie Radikale bilden können, die großen Schaden anrichten können.

Phase 2

Sind die Stoffe nun wasserlöslich, werden die "Zwischenprodukte" wie ein Anhänger an körpereigene Mineralien oder Aminosäuren gekoppelt, die ebenfalls wasserlöslich sind. Erst in dieser "fertigen" Form können die Giftstoffe als Harn über die Nieren ausgeschieden werden.

Was kann dabei schief gehen?

  • Es befinden sich so viele Giftstoffe im Körper, dass die Entgiftungsorgane nicht mehr nachkommen
  • Die Entgiftungsorgane (Leber und Niere) sind so geschädigt, dass sie nicht ausreichend funktionieren
  • Die Phase 1 läuft einwandfrei ab, während die Phase 2 gehemmt ist. Dadurch befinden sich giftige "Zwichenprodukte" im Körper, die nicht schnell genug abgebaut werden können. Das nennt man Kryptopyrrolurie (KPU).

Sehe ich Probleme im Blutbild?

Pferde können Stoffwechselprobleme lange Zeit ausgezeichnet kompensieren. Leberwerte werden beispielsweise erst dann im Blutbild auffällig, wenn schon ein Großteil der Leber unwiderruflich zerstört ist. Ein Blutbild kann zwar nie schaden, allerdings sollte man stets das Pferd beurteilen, und nicht den Laborbefund. Wenn das Blutbild auffällig ist, ist es bereits 5 vor 12! Daher ist es wichtig, entsprechende Frühmarker rechtzeitig zu erkennen. Dazu zählen hauptsächlich Probleme mit Haut, Fell und Hufen, sowie Leistungsabfall, untypisches Schwitzen, untypisches Saufen, Ödeme oder ein schlechter Allgemeinzustand.

Welches Zusatzfutter unterstützt das Pferd angeblich bei der Entgiftung?

Mit Zusatzfutter zum Entgiften muss man extrem vorsichtig umgehen. Eine überlastete Leber, die bereits auf Hochtouren läuft, zusätzlich noch anzuregen, kann fatale Folgen haben. Ebenso verhält es sich mit den Nieren. Die beste Art der Entgiftung ist daher, keine Giftstoffe mehr ins Pferd gelangen zu lassen. Mit einer ausgewogenen Fütterung von gutem Heu und Mineralstoffen schafft man die beste Grundlage für das Pferd, sich selbst gut zu entgiften. Futtermittel mit Farb- oder Konservierungsstoffen würden mehr belasten als nutzen.

Bekannte Strategien zur Entgiftung

Giftstoffe binden

Bekannte Futter wie Tonerde, Bentonit, Zeolith, Heilerden etc. binden Giftstoffe direkt im Verdauungstrakt. Problematisch ist, dass nicht nur Giftstoffe, sondern ebenso Mineralien, Flüssigkeit oder Medikamente gebunden und ausgeschieden werden. Daher sollte man beim Füttern vorsichtig sein. Weiters haben diese Produkte keinerlei unterstützende Wirkung für die Entgiftungsorgane.

Kräuter und Pflanzen mit angeblich entgiftender Wirkung zufüttern 

Es gibt zahlreiche entgiftende Kräutermischungen am Markt. Bevor diese gefüttert werden, sollte man sich genau überlegen, was man damit bewirken möchte. 

  • Entwässernde Kräuter wie Brennnessel: Dadurch werden die Nieren nur vermehrt durchgespült - und eben auch vermehrt belastet. Der Körper kann dadurch jedoch nicht besser entgiften.
  • Artischocken wirken gallensaftfördernd. Dadurch werden aber nur Giftstoffe, die der Körper schon von selbst umgewandelt hat, nur schneller ausgeschieden. Die Leber wird nur vermehrt belastet, aber nicht in der Entgiftung unterstützt.
  • Mariendistel hat mit der Entgiftung selbst nichts zu tun, sondern schützt nur die Leberzellen gegen Vorgänge, die diese Zellen schädigen würden.

Giftstoffe, die bereits im Körper sind, können weder durch bindende Mittel noch durch Kräuter entgiftet werden. Hierbei kann man den Körper nicht durch Zusatzfutter unterstützen. Der wichtigste Schritt zur Entgiftung ist daher, die Zufuhr von Giftstoffen nachhaltig zu stoppen und die Darmflora gesund zu halten, denn sie reguliert die Verdauung, und versorgt die Leber mit wichtigen Vitaminen. Jegliche Überbelastung der Leber mit Zusatzfutter ist zu vermeiden, damit sie ihrer lebenswichtigen Tätigkeit gut nachkommen kann.