Akademische Reitkunst

Seit ich die Idee mit dem eigenen Pferd hatte, wusste ich auch, dass ich es einmal bis zur hohen Schule ausbilden möchte. Leider habe ich jedoch noch nie meinen Platz im modernen Dressursport gefunden. Die Strukturen sind einfach zu festgefahren, und die Bilder, die ich als Außenstehende zu sehen bekomme, zu hässlich. In der Praxis wird nicht das beurteilt, was in der Theorie gelehrt wird, und das Pferd ist nur Mittel zum Zweck. Es werden auswendig gelernte Aufgaben geritten, die lange im Voraus bekannt sind, egal, ob sie ins Trainig passen oder nicht. "Die Dressur ist für das Pferd, und nicht das Pferd für die Dressur", sagt man, doch die Praxis zeigt genau das Gegenteil. Es ist schier unmöglich, Dinge, die offensichtlich falsch laufen, zu ändern. Die Leidtragenden sind die Pferde.

Auf der Suche nach Menschen, die den Dressursport ähnlich kritisch sehen wie ich, und dennoch fein und gymnastizierend mit ihren Pferden arbeiten, bin ich auf Bent Branderup und die Akademische Reitkunst gestoßen. "Die Dressur ist für das Pferd" wird in diesem Umfeld tagtäglich gelebt. Die Arbeit basiert auf fundiertem anatomischen und physiologischen Wissen, und es wird großer Wert auf korrekte Bewegungen und zufriedene Pferde gelegt. Die Pferde werden viel vom Boden aus gearbeitet, und sehr feinfühlig geritten. Anhänger*innen der akademischen Reitkunst sind stets bestrebt, sich selbst weiterzuentwickeln, um dem Pferd ein/e besserer/e Partner*in zu sein. Auch die Akademische Reitkunst selbst entwickelt sich stets weiter. Genau mein Ding!

Comet und ich hatten die Ehre, im Mai 2016 einen Kurs mit Dörte Bialluch in Langmannersdorf zu besuchen. Dörte ist Schülerin von Bent Branderup, und ein absolutes Vorbild. Ihrem feinfühligen Unterricht liegt tiefes Fachwissen zugrunde, das sie ausgezeichnet vermitteln kann.

Bodenarbeit in Konter - Comet und ich bei Dörte Bialluch in Langmannersdorf, Mai 2016

Bodenarbeit in Konter - Comet und ich bei Dörte Bialluch in Langmannersdorf, Mai 2016

Comet war beim Kurs noch etwas mühsam, weil er mich gerne mit der Schulter aus dem Weg geräumt hat. Dörte hat mir empfohlen, ihn viel in Konter zu arbeiten, da sich dadurch unser gegenseitiges Gefühl füreinander in Wendungen verbessern wird. Natürlich hat sie Recht behalten. Zuhause haben wir weitergearbeitet, und große Fortschritte in der Paradenarbeit gemacht. "Lösen-stellen-biegen" war dabei unser Mantra.

Im September 2016 ging es gleich ein zweites Mal nach Langmannersdorf zu Dörte Bialluch. Sie war sehr zufrieden mit unserer Arbeit! Mittlerweile ist Comet sehr fein zu reiten, hört zu, und bemüht sich sehr, meine Wünsche umzusetzen. Er kennt nun die Gerte als inneren Schenkel, und stellt sich schön um den Sitz. Er kann korrekt in zwei Hufspuren am Zirkel gehen, und während der Einheit mit Dörte haben wir unseren ersten Hauch einer korrekten, versammelnden Krupphereinparade erlebt. Wahnsinn! Nie hätte ich gedacht, dass wir schon so bald mit solchen Begriffen jonglieren werden.

Gerte als innerer Schenkel - Comet und ich bei Dörte Bialluch in Langmannersdorf, September 2016

Gerte als innerer Schenkel - Comet und ich bei Dörte Bialluch in Langmannersdorf, September 2016

Da für mich beim zweiten Kurs nicht mehr alles so neu war, hatte ich das Gefühl, mich noch besser auf Details konzentrieren, noch besser hineinfühlen und noch fokussierter arbeiten zu können. Ich war wieder überrascht, wie viel ich auch durch das Zusehen lernen konnte. Ich habe einfach versucht, so viele Eindrücke wie möglich zu speichern, und war nach den vier intensiven Tagen überwältigt. Comet war allerdings nur einen Tag dabei, da er keine Boxenhaltung gewohnt ist, und ich ihn dem Stress nicht zu lange aussetzen wollte.

Stellung und Biegung um den Sitz, November 2016

Stellung und Biegung um den Sitz, November 2016

Mit einem viel besseren Verständnis für den statischen und dynamischen Sitz und die verschiedenen Schenkelhilfen (es gibt tatsächlich 6 Arten!) habe ich mit Comet fleißig weitergeübt. Wir haben beide großen Spaß daran gefunden, bereits bekannte Hilfen immer weniger und immer unsichtbarer zu machen, bishin zur feinen Kommunikation über Atmung oder kleine Änderungen in der Körperspannung. Er stellt sich meistens wunderbar um den Sitz und reagiert auf feine Paraden. Je sanfter ich frage, desto präziser antwortet er.

Letztens hatte ich eine wunderbare, spontane Einheit mit Comet. Eigentlich wollte ich nicht reiten, da er am Vortag wetterbedingt nicht besonders fit war. Doch dann entstand (eben ohne Sattel) tolle Paradenarbeit. Wenn ich mich nicht täusche, macht er ab und zu sogar Ansätze zur Schulparade!

Kaum zu glauben, dass mich dieses Pony vor einigen Monaten noch regelmäßig runtergebuckelt und durch den Sand geschliffen hat.

Ich bin froh, dass ich diesen Weg mit Comet gehen darf.